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Topthema: Inklusion = Vielfalt

02.04.2022

Seit einigen Jahren ist das Wort „Inklusion“ auch im Sport ein wichtiges Thema, dennoch wissen viele mit dem Begriff noch nicht wirklich etwas anzufangen. In einem eng gefassten Verständnis wird Inklusion häufig auf Menschen mit Behinderungen bezogen. Der weite Inklusionsbegriff lässt sich dagegen aus den allgemeinen Menschenrechten ableiten und richtet sich an alle Menschen, unabhängig von ihrem Status. Inklusion bedeutet in diesem Sinne, dass alle Menschen gleichberechtigt und selbstbestimmt am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben teilhaben und Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Identität, ökonomischem Hintergrund, Behinderung, Sprache etc. Das Ziel von Inklusion ist, das gesellschaftliche Zusammenleben für alle Menschen ohne Ausgrenzungen und Diskriminierungen zu gestalten. Der Kerngedanke liegt somit in der Wertschätzung von Vielfalt jeglicher Art.

Gerade der Sport ist eine ideale Plattform für ein respektvolles Miteinander, wobei die individuellen Stärken und Schwächen des Einzelnen als Chancen für alle gesehen werden können. Auch die deutsche Tennislandschaft mit all ihren Vereinen birgt viele Chancen und Möglichkeiten, innerhalb seiner Strukturen für das Thema Inklusion zu sensibilisieren und die Teilhabe von Menschen, die bislang nicht zur klassischen Tennis-Klientel gehörten, zu fördern. Denn unabhängig davon, wie verschieden die Voraussetzungen aller Beteiligten sind, führt alle eine große Gemeinsamkeit zusammen: Die Leidenschaft für den Tennissport.

Inklusion im Tennisverein liefert nicht nur einen sozialen Beitrag für die Gesellschaft. Vereine haben durch inklusive Angebote bzw. einem inklusiven Miteinander auch die Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erschließen und weitere Vorteile zu erreichen. Denn die inklusive Arbeit ist ein Qualitätsmerkmal sportlicher Institutionen und kann ein qualitatives Unterscheidungsmerkmal sein, welches Trainer und Vereine von Mitbewerbern ohne inklusive Angebote abheben lässt.

Auch wenn Inklusion im Tennis bedeutet, alle in das normale Vereinsleben sowie sportliche Miteinander zu integrieren, gibt es verschiedene Teildisziplinen für unterschiedliche Zielgruppen. Die wohl bekannteste Disziplin des Tennis von Menschen mit einer Behinderung ist Rollstuhltennis. 1976 vom Amerikaner Brad Parks erfunden, ist die Disziplin bereits seit 1992 paraolympisch und seit 1998 Teil der ITF. Gehörlosentennis fasst den Tennissport aller Menschen mit Beeinträchtigungen der Hörfähigkeit zusammen. Die meisten Spielerinnen und Spieler nehmen am regulären Spielbetrieb der Hörenden teil, es gelten somit du „normalen“ Tennisregeln. Blindentennis ist dagegen die Möglichkeit für Blinde oder Menschen mit Sehbehinderung, Tennis zu spielen. Entwickelt wurde die Disziplin bereits 1984 in Japan, in Deutschland wird sie jedoch erst seit 2016 gespielt. Dem 2014 gegründeten offiziellen Verband „International Blind Tennis Association“ gehört inzwischen auch eine deutsche Vertretung an. Außerdem gibt es auch eine Teildisziplin für Menschen mit Lernbehinderung oder sogenannter geistiger Behinderung. Diese Personen können meist uneingeschränkt motorisch trainiert werden und natürlich auch Tennis spielen, daher bilden die üblichen Regeln, Materialien und Feldgrößen die Grundlage. Sonstige Rahmenbedingungen, wie Satzlänge oder Zählweise, können dagegen individuell angepasst werden.

In den kommenden Tagen und Wochen wird uns das Thema Inklusion im Tennis weiter beschäftigen. Wir beleuchten die einzelnen Teildisziplinen näher und geben einen Überblick, welche Materialien benötigt werden und welche Klassifizierungen es gibt. Außerdem zeigen wir Vereinen auf, wie der Einstieg in ein inklusives Vereinsleben gelingen kann und welche Fördermöglichkeiten bzw. Unterstützungsleistungen von verschiedenen Stellen möglich sind. Bleiben Sie dran, folgen Sie uns auf unseren Social-Media-Kanälen, schauen Sie vermehrt auf unsere Homepage und werfen Sie einen Blick in die nächste Ausgabe unseres Verbandsmagazins baden tennis (Erscheinungsdatum = 20. April 2022).


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