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BTV-Topthema: Interview

18.09.2022

Die beiden Trendsportarten Beach Tennis und Padel boomen auch in Baden. Doch welche Vorteile haben Tennisvereine von den beiden Sportarten? Warum ist es sinnvoll, über den Bau einer Padel- und/oder Beach Tennis-Anlage nachzudenken? Mario Unholz, Präsidiumsmitglied für Sportentwicklung und Breitensport, und Pascal Bender, Referatsleiter auf der BTV-Geschäftsstelle, geben im Rahmen des BTV-Topthemas Einblicke in die beiden Sportarten.

 

Mario Unholz und Pascal Bender, Sie sind bei uns im Badischen Tennisverband für den Bereich Sportentwicklung zuständig, der eine ehrenamtlich, der andere im Hauptamt. Wie unterscheiden sich hier Ihre Aufgabenfelder?

Mario Unholz:
Als ehrenamtliches Präsidiumsmitglied sehe ich es als meine Hauptaufgabe an, das sehr große und weitreichende Aufgabengebiet komplett zu überblicken und die Themen insbesondere in der Kommission für Sportentwicklung und Breitensport zu platzieren sowie zusammen weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse fließen dann ins Präsidium. Außerdem bin ich in der entsprechenden Kommission beim DTB mit den anderen 16 Landesverbänden, wo auch der DTB Themen aufruft und gewisse einheitliche Vorgaben, Muster und Materialien gemeinsam entwickelt werden.

Pascal Bender:
Als hauptamtlicher Mitarbeiter bin ich erster Ansprechpartner für die Vereine bei Fragen und Problemen im Bereich der Sportentwicklung und des Breitensports. Wie die anderen Mitarbeitenden der Geschäftsstelle auch, bin ich für das operative Tagesgeschäft und die Umsetzung der von der Kommission gemeinsam erarbeiteten Strategie zuständig.

 

Zur Sportentwicklung gehören auch die sogenannten Trendsportarten Beach Tennis und Padel. Was haben die mit Sportentwicklung zu tun? Inwieweit entwickeln sie den Tennissport weiter?

Mario Unholz:
Unser geliebtes Tennis hat leider das Manko der Komplexität. Bis man einigermaßen automatisiert Tennismatches „spielen“ kann, ist ein großer Aufwand erforderlich. Kleidung, Schläger, Bespannungen und viele kostenintensive Trainings- oder Sparringsstunden. In der sich wandelnden Gesellschaft mit den wirtschaftlichen Belastungen der Familien und dem geänderten Freizeitverhalten ist Tennis entsprechend nicht der Sport auf dem mittlerweile riesigen Markt (Überangebot!), der die Ausprobierenden gleich nachhaltig begeistert, dabei zu bleiben. Früher haben die Kinder 1- 2 Sportarten nachhaltig „gelernt“, um diese möglichst perfekt ausüben zu können. Heute probieren sie vieles aus, machen aber nichts mehr bis zu einem gewissen Reifegrad. Und jetzt kommen die „noch“ Trend-Sportarten Beach und Padel Tennis, mit denen der Einstieg mit kürzeren Schlägern und weicheren Bällen in die Rückschlagsportart Tennis viel schneller und erfolgreicher gelingt. Außerdem ist man hier als Team unterwegs, kann gemeinsam kämpfen und spielen und muss nicht alleine die Frustrationen der eigenen Fehler und der Punkte der Gegner verarbeiten.

Pascal Bender:
Durch Verschiebung der Prioritäten und Bedürfnisse der Menschen im Allgemeinen entwickelt sich auch der Sport ständig weiter. Im Tennis ist das unter anderem durch die wachsende Beliebtheit der Trendsportarten Beach Tennis und Padel zu sehen. Beide Trendsportarten besitzen großes Potential, die sich verändernden Bedürfnisse der Mitglieder zu befriedigen und die Sportart somit weiterzuentwickeln.

 

Sowohl Beach Tennis als auch Padeltennis werden deutschlandweit immer größer und beliebter. Wie ist der aktuelle Stand in Baden? Was sagt Ihr Gefühl: Ist der Hype schon vollends angekommen?

Mario Unholz:
eim Beach Tennis sind wir deutschlandweit ganz vorne, haben als erster Landesverband einen Ligaspielbetrieb gestartet, wo der Südwestmeister mit Württemberg und dem Saarland ermittelt wird. Auch im Padel gibt es einige Hochburgen in Baden. Nachdem Anfang des Jahres der DOSB Padel als Rückschlagsportart dem DTB zugeordnet hat, werden hier nun auch recht schnell Strukturen wachsen. Wir sind schon weit, aber ich habe mir gerade in der Coronazeit gewünscht, dass sich mehr Tennisvereine mit dem Bau von Beach oder Padel Tennisplätzen beschäftigen bzw. diese bauen. Ich lerne immer wieder Tennisspieler:innen und andere Sportler:innen kennen, die noch nie etwas von diesen tollen Trendsportarten gehört haben. Aber wir arbeiten dran…

Pascal Bender:
Weder im Beach Tennis noch im Padeltennis ist das Potential bis dato annähernd ausgeschöpft. Auch wenn Beach Tennis im Badischen Tennisverband gemessen an Sportangeboten noch die Nase vorn hat, ist Padel derzeit die weltweit am schnellsten wachsende Sportart. Wenn der Wachstumstrend, der in anderen Ländern Europas zu beobachten ist, in Deutschland ähnlich intensiv ausfällt, wird das eine sehr beliebte (Trend-)Sportart.

 

Worin liegt denn der Reiz beider Sportarten?

Pascal Bender:
Der größte Reiz beider Sportarten ist, dass sie gerade für Anfänger:innen einfach zu erlernen sind. Tenniserfahrung ist nicht zwingend erforderlich und auch Spieler:innen, die zum ersten Mal ein Paddle (Beach Tennis Racket) oder Padel Schläger in der Hand halten, werden bereits nach wenigen Minuten Spielspaß haben. Außerdem ist die Atmosphäre auch für das Publikum insbesondere beim Beach Tennis ganz besonders.

 

Die Attraktivität für Spieler ist nicht von der Hand zu weisen, aber wieso sollten sich auch Vereine stärker mit den Trendsportarten beschäftigen? Wie können Clubs davon profitieren, eine Beach Tennis- oder Padel-Anlage zu betreiben?

Mario Unholz:
Das Sportangebot von Vereinen kann mit dem Bau einer Beach- oder Padelanlage wiederbelebt oder das Vereinsportfolio erweitert werden. Die Attraktivität des Clubs kann dadurch also deutlich steigen. Nicht nur bestehende Mitglieder können so die Sportart für sich entdecken, sondern auch neue, zukünftige Mitglieder sind willkommen, das Angebot auszuprobieren. Einerseits können Kinder und Jugendliche mit Hilfe von Beach Tennis spielerisch an die Sportart Tennis herangeführt werden, andererseits können erfahrene Tennisspieler:innen die sandigen Partien oder die zurückkommenden Bälle im Glaspalast als willkommene Abwechslung vom Vereinsalltag genießen. Auch Schulen kann es freigestellt werden, die Anlagen zu nutzen. Des Weiteren dienen Beach- und Padelturniere oftmals als Publikumsmagnet, der Aufmerksamkeit für ausrichtende Vereine weckt. Die Kapazitäten für Tennishallen sind häufig stark limitiert, weshalb ein weiterer Vorteil von Beach Tennis beachtet werden sollte: Mit im Fachhandel erhältlichen Neopren-Schuhen und entsprechender Kleidung ist Beach Tennis ein Sport, der ganzjährig - sprich auch im Winter - an der frischen Luft gespielt werden kann. Gleiches gilt bei Outdoor-Padel-Anlagen, wo ja sowieso normale Tennis- oder Sportschuhe getragen werden. Um Beach oder Padel Tennis nachhaltig im Verein zu etablieren, bedarf es einer, besser mehreren Personen, die sich um die Organisation kümmern. Gastspielmöglichkeiten vor Eintritt in den Verein sowie Tagesmitgliedschaften sind gute Maßnahmen, um Neumitglieder mit solchen Schnupperangeboten zu generieren. Je mehr aktive Spieler:innen es gibt, die regelmäßig an Trainings und Turnieren teilnehmen, desto höher ist die Auslastung der Anlagen. Beach und Padel Tennis sind als schnell zu erlernender Sport sowie aufgrund der einfachen Regeln und der Urlaubsatmosphäre als Trendsportart ein lohnender Bestandteil eines jeden modernen Tennisvereins.

 

Herr Bender, Sie sind in der BTV-Geschäftsstelle Hauptansprechpartner für Vereine, die sich mit dem Thema Trendsportarten beschäftigen. Welche Fragen kommen hier vermehrt auf? Was beschäftigt die Clubverantwortlichen in dem Bereich aktuell? Und kristallisieren sich hierdurch auch Dinge heraus, wo Nachholbedarf seitens des Verbands besteht?

Pascal Bender:
Da es derzeit viele Vereine gibt, die mit dem Gedanken spielen, Beach Tennis oder Padelplätze zu bauen, sind häufige Fragen hierauf bezogen. Aus diesem Grund bieten wir auch in regelmäßigen Abständen Webinare gemeinsam mit unseren Partnern zu den häufigsten Fragen wie dem Platzbau an. Natürlich bilden wir damit nicht nur die Vereine weiter, sondern sammeln selbst auch mit jedem Fall Erfahrung.

 

Beide Sportarten werden aktuell im deutschen Tennissport noch als TRENDsportarten bezeichnet. Was muss passieren, damit das TREND gestrichen werden kann?

Mario Unholz:
Natürlich wünsche ich mir auf der einen Seite, dass die beiden Sportarten sehr schnell wachsen, so dass irgendwann der „Trend“ wegfällt. Andererseits würde ich den „Trend“ gerne behalten, da ich die beiden Sportarten gerne als Ergänzung und Erweiterung unseres Tennissports auf Dauer als „Einstiegsbonbon“ und Portfolioerweiterung für die Mitglieder von unseren Tennisvereinen sehe.

 

Ein Verein möchte sein Angebot erweitern und mit Padeltennis und/oder Beach Tennis durchstarten – was ist Ihr Tipp? Welche Vorgehensweise ist empfehlenswert? Und wie unterstützt der BTV hierbei?

Mario Unholz:
Schön ist, wenn die Entscheidung gefallen ist, eine oder gleich beide Trendsportarten in einen Tennisverein zu integrieren. Informieren, probieren, machen! Gerne helfen wir als Verband, aber auch die Vereine, die den Schritt schon vollzogen haben. Zunächst steht eben die grundsätzliche Entscheidung an, was man baut und am besten gleich mehrere Plätze, dass man Turniere und Meisterschaften ausrichten kann. Größter Unterschied sind die Kosten für einen Platz und dass man für Padel eine Fachfirma für den Bau und eine Baugenehmigung braucht. Beachplätze kann man dagegen komplett in Eigenleistung und ohne Baugenehmigung gestalten, auch der Flächenbedarf ist etwas geringer.

Pascal Bender:
Gerne stehen wir für alle aufkommenden Fragen zur Seite. Hierbei sollten wir und auch der Badische Sportbund frühzeitig ins Boot geholt werden, damit z.B. Voraussetzungen für Zuschüsse vom BSB eingehalten werden können. Außerdem kann auch immer empfohlen werden, sich bei anderen Vereinen, die bereits im Beach Tennis oder Padeltennis Erfahrung haben, zu erkundigen. Hier besteht immer viel Hilfsbereitschaft und Know-How.

 

 


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