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BTV-Topthema: Interview mit Dr. Jens-Peter Gnam

19.07.2022

Die Nachfrage für die Lizenzausbildung ist schon seit Jahren sehr hoch, auch die Pandemie hat dem keinen Abbruch getan. Ob C-Lizenz oder B-Lizenz – auch die Aus- und Fortbildungslehrgänge des BTV sind regelmäßig ausgebucht. Doch was macht gute Trainer:innen eigentlich aus? Und welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen? Das und vieles mehr beantwortet Dr. Jens Peter Gnam, Mitglied des Lehrteams des Badischen Sportbunds Nord an der Sportschule Schöneck, im Rahmen des BTV-Topthemas.

 

Herr Dr. Gnam, Sie sind Teil des Lehrteams des Badischen Sportbund Nord an der Sportschule Schöneck – was genau gehört da zu Ihrem Aufgabenbereich?
Die Aufgabe unseres Lehrteams ist sowohl die eigenständige Aus- und Fortbildung von Übungsleiter:innen im allgemeinen Breitensport als auch von Trainer:innen diverser Sportarten in Kooperation mit dem jeweiligen Fachverband. Dazu gehört neben der inhaltlichen und organisatorischen Planung der entsprechenden Lehrgänge natürlich auch das Unterrichten bestimmter Lehrinhalte. Wir vom Badischen Sportbund Nord sind dabei für die allgemeinen sportartübergreifenden Inhalte in Theorie und Praxis zuständig. Dies umfasst klassisch sportwissenschaftliche Themen wie beispielsweise die Anatomie und Funktion des Bewegungsapparats, das Herz-Kreislauf-System, die Trainingslehre aber auch den Bereich des Athletiktrainings sowie sportpsychologische Aspekte.

Die Aus- und Weiterbildung von Trainer:innen und Übungsleiter:innen ist also Ihr „täglich Brot“ – wie wichtig sind denn gute Trainer:innen für die Sportwelt wirklich?
Gut ausgebildete Trainer:innen sind auf allen Ebenen unseres Sportsystems von enormer Bedeutung. Wir brauchen sowohl für die Grundlagenarbeit im Kinder- und Jugendbereich in den einzelnen Vereinen, aber natürlich auch im Spitzenbereich hervorragend qualifizierte Trainer:innen, die in der Lage sind, ein qualitativ hochwertiges Training, an ihre jeweilige Zielgruppe angepasst, anbieten zu können. Das ist der Anspruch, der an unsere Ausbildung gestellt wird und dem wir auch gerecht werden wollen.

Je nach Sportart können die Trainer:innen mehr oder weniger Einfluss auf die Leistungsfähigkeit ihrer Schützlinge nehmen. Sind Trainer:innen somit je nach Sportart unterschiedlich wichtig?
Das sehe ich nicht so. Auch wenn sich diverse Sportarten grundlegend voneinander unterscheiden, was die Anforderungen in technischer, taktischer, konditioneller und koordinativer Hinsicht an die Sportler:innen betrifft, so obliegt den Trainer:innen in jeder Sportart die Aufgabe, Entwicklungs- oder Verbesserungspotenziale in sämtlichen leistungsbestimmenden Faktoren zu erkennen und hier entsprechend einzuwirken. Somit spielen sie in jeder Sportart eine enorm wichtige Rolle.

Was macht einen guten Trainer aus Ihrer Sicht aus? Gibt es Charaktereigenschaften, die unbedingt mitgebracht werden sollten?
Hier könnte man sicher eine ganze Reihe an Eigenschaften bzw. sozialen Kompetenzen nennen, aber unerlässlich sind sicherlich Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion. Auch sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass man als Trainer:in eine Vorbildfunktion hat, insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Auch im Rahmen der Aus- und Fortbildungslehrgänge des BTV übernehmen Sie regelmäßig die überfachlichen Inhalte und kennen somit auch die groben Rahmenbedingungen der Tennistrainer:innen. Wie ist der Tennissport in Baden in Sachen Trainer:innen gegenüber anderen Sportarten aufgestellt? Können Sie hier einen Vergleich ziehen?
Die Sportarten, die wir als Badischer Sportbund Nord betreuen reichen von Gerätturnen über die klassischen Spielsportarten wie Handball, Fußball, Volleyball bis hin zu kleineren Sportarten wie Ju-Jutsu, karnevalistischem Tanzsport, Unterwasserrugby, Schießsport und Schach. Die völlig unterschiedlichen Anforderungen, die diese Sportarten an die Ausbildung und die Ausbildenden stellen, sind kaum zu vergleichen. Zudem arbeiten wir mit hauptamtlich aufgestellten Fachverbänden genauso wie mit rein ehrenamtlich getragenen Fachverbänden zusammen. Daher betrachten wir die Konzeptionen und Entwicklungspotenziale in den entsprechenden Trainerausbildungen immer individuell auf den Fachverband bezogen.

Jede Sportart bringt ihre eigenen Feinheiten mit sich. Sehen Sie im Tennis besondere Herausforderungen, die ein:e Trainer:in einer anderen Sportart vielleicht nicht hat?
Tennis ist eine extrem komplexe Sportart. Das Tennisspiel bringt Anforderungen in den unterschiedlichsten leistungsbestimmenden Bereichen mit sich. Da sind einerseits sehr hohe technische und koordinative Anforderungen zu nennen, aber auch an die Kondition bzw. Athletik werden hier hohe Anforderungen gestellt, insbesondere in den Bereichen Ausdauer, Schnellkraft sowie Reaktions- und Aktionsschnelligkeit. Darüber hinaus sind natürlich auch noch taktische und mentale Aspekte von Belang. Man sieht also, dass Tennisspieler:innen auf unterschiedlichsten Ebenen fit sein müssen und das wiederum stellt eine:n Tennistrainer:in vor große Herausforderungen.

Viele Tennistrainer:innen arbeiten nicht nur ehrenamtlich, sondern verdienen mit dem Tennistraining ihr Geld, teilweise sogar hauptberuflich. Trotzdem werden viele noch immer belächelt, wenn sie auf die Frage nach ihrem Beruf mit „Tennistrainer:in“ antworten. Was fehlt aus Ihrer Sicht für die Anerkennung der Trainertätigkeit als eigenständigen Beruf?
Die fehlende öffentliche Anerkennung für den Trainerberuf (Fußball ausgenommen) ist ein bekanntes Problem, auf das der DOSB seit 2019 mit dem Projekt „TrainerIn Sportdeutschland“ öffentlichkeitswirksam reagiert. Die Vision Trainer:in 2026 lautet: „Bis zum Jahr 2026 verfügen wir in Sportdeutschland über eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Trainer:innen“. Hinter dem Projekt steckt aber noch viel mehr. Im Kern geht es darum, das Image des:der Trainer:in nach innen wie nach außen zu stärken und die Situation von Trainer:innen nachhaltig zu verbessern. Dazu gehört auf der einen Seite, Nachwuchstrainer:innen an der Basis ein attraktives Umfeld zu bieten, sie bedarfsgerecht zu qualifizieren und zu wertschätzen und auf der anderen Seite das Berufsbild „Trainer:in“ im Spitzensport zu schärfen und auch hier über entsprechende Anerkennung und Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen diesen Beruf auch attraktiv zu machen. Wir hoffen natürlich, dass die Anstrengungen des DOSB auch die entsprechenden Veränderungen bewirken und wir im Zieljahr 2026 ein anderes Image des Trainerberufs in der Gesellschaft haben.

 

 


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