Badens Nachwuchs international erfolgreich

Ab aufs Siegertreppchen

 

Äußerst erfolgreich verlief der Trip nach Malle für David Fix (TC Wolfsberg Pforzheim). Mit souveränen Auftritten spielte sich das badische Nachwuchstalent durch das Turnier und ließ auch im Finale gegen den Niederländer Kyvan Rietkerk mit 7:5 und 6:1 nichts anbrennen.

Auch im Doppel lief es für den 14jährigen gut. Mit Partner Max Stenzer (TC GW Pforzheim) spielte sich das badische Duo uns Halbfinale und unterlag dort dem niederländischen Duo Abel Forger / Kyvan Rietkerk.

Mit seinem zweiten Turniersieg innerhalb kürzester Zeit festigte der Nachwuchscrack seine Position in der TE-U14 Rangliste und belegt derzeit einen hervorragenden Rang 81.

Auch Nastasja Schunk nutzte wie fast alle Kaderathleten des BTV die Osterferien, um auf internationalem Parkett dem Ball hinterherzujagen und ist dabei knapp am ersten Turniersieg des Jahres vorbeigeschrammt. Die 15jährige, die für die MTG Mannheim aufschlägt, unterlag im französischen Istres erst im Endspiel des ITF-Turniers. Die ITF-Turnierserie wird weltweit in der Altersklasse U18 ausgetragen, das Turnier in Istres ist in der zweithöchsten Kategorie gerankt.

Nach einem guten Start ins Turnier und einer überragenden kämpferischen Leistung im Viertelfinale gegen die Topgesetzte Valentina Ryser (SUI), zog Schunk ins Finale ein. Dort musste die Mannheimerin der gut aufspielenden Französin Celia Bell Mohr mit 1:6 und 3:6 den Turniersieg überlassen.

Die erst 11jährige Julia Stusek (TC Rheinfelden) konnte auf ihrer Turnierreise ins benachbarte Frankreich ebenfalls jubeln. Mit der Finalteilnahme bei ihrem erst vierten Auftritt auf internationaler Ebene setzte das jungen Nachwuchstalent ein Zeichen. Mit glatten Zwei-Satz-Siegen spielte sich die Rheinfelderin durch das TE-U12-Turnier und wurde erst im Finale durch die Französin Julie Armingol mit 1:6 und 2:6 gestoppt.

Wir gratulieren zu den tollen internationalen Erfolgen!

Text: Katja Espenlaub

Foto: Josie Fix, Nastasja Schunk, Petra Stusek

Sina Herrmann zusammen mit ihrem Trainer Christian Krismeyer im Interview

Der Weg zum Profispieler und die Entwicklungen im internationalen Tennis

 

Die 17-jährige Sina Herrmann ist badische Spitzenkaderathletin und schlägt in der kommenden Saison wieder für den SSC Karlsruhe in der Regionalliga auf. Ihr Ziel ist es Tennisprofi zu werden und auf den großen Plätzen dieser Welt zum Schläger greifen zu dürfen. Doch der Weg zum Tennisprofi ist steinig und schwer. Die neu eingeführten Regularien der ITF machen es jungen Nachwuchsspielern nicht unbedingt einfacher. Die Karlsruherin reiste Anfang März in die Türkei um zwei ITF-Turniere zu spielen und wertvolle ITF Entry Points zu sammeln. Im Anschluss trafen wir Sina zusammen mit ihrem Trainer Christian Krismeyer, der auch als Stützpunkttrainer für den Verband im Bezirk 2 fungiert, in Leimen zum Interview:

Max Krolik: Sina, Anfang März bist du für zwei Wochen in die Türkei gereist um an ITF-Turnieren teilzunehmen. Wie hast du abgeschnitten und welche Erfahrungen konntest du in der Türkei sammeln?

Sina Herrmann: In Antalya habe ich die Änderungen der ITF am eigenen Leib erfahren müssen. Beim ersten 15‘000$ Turnier konnte ich mich über die Pre-Quali eine Wildcard für das Hauptfeld erkämpfen. Dort habe ich dann auch die erste Runde gegen eine Griechin gewonnen. Zweite Runde habe ich dann leider gegen die 2 gesetzte aus Luxemburg verloren. Trotzdem konnte ich wichtige 4 Punkte aus dem ersten Turnier mitnehmen. Beim zweiten 15‘000$ Turnier kam ich dann leider aufgrund der Reduzierung auf 24-iger Felder nicht in das Turnier rein. Trotzdem konnte ich sehr viele Erfahrungen mitnehmen, da ich das Glück hatte mit meinem Trainer Christian Krismeyer zu reisen. Wir hatten super 12 Tage in Antalya. Ich konnte sehr viel von Christian in den physischen, mentalen und taktischen Bereichen lernen. Das harte Training hat mich sehr geprägt und gestärkt. Als Belohnung für die harte Arbeit konnte ich letztes Wochenende in Bodenheim ein A4 Damenturnier gewinnen und wichtige Punkte für die DTB Damenrangliste sammeln. Aktuell bin ich die Nr. 48 der Damen und bei den Juniorinnen U18 Nr.3.

Max Krolik: Das hört sich nach einer super Erfahrung an. Ich möchte dir natürlich zu den wichtigen vier Punkten, die du mit nach Hause gebracht hast, gratulieren und bin sicher, dass du bei den nächsten Turnieren daran anknüpfen kannst. Du absolvierst im nächsten Jahr dein Abitur. Wie verbindest du Schule und Leistungssport?

Sina Herrmann: Tennis als Leistungssport ist meine Leidenschaft. Ohne Leidenschaft ist Schule und Leistungssport nicht zu vereinbaren. Das wichtigste ist nicht zu gewinnen. Das wichtigste ist in jeder Sekunde zu lieben über seine Grenzen zu gehen. Obwohl ich in eine „normale“ Schule gehe, gehöre ich zu den Besten in meinem Jahrgang. Ich habe für mich entschieden, dass ich den schweren Weg gehen will. Ich habe sowohl in der Schule, als auch im Tennis klare Ziele. Ich mache mein Abitur im Frühjahr 2020 und werde danach mit meinem Trainer Christian auf Tour gehen.

Max Krolik: Ich wünsche dir natürlich auch für deine schulischen Ziele alles Gute! Neben der Schule und deiner Leidenschaft Tennis bleibt dir wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit für Freizeit. Wie sieht eine durchschnittliche Woche bei dir aus?

Sina Herrmann: Da gibt es nicht viel zu sagen. Meine Woche besteht aus ca. 8 Einheiten Tennis, 3 Einheiten Kondi und 2-mal Physio. Die restliche Zeit ist lernen angesagt. Für Freunde habe ich eigentlich nur in den Ferien Zeit, wenn ich mal nicht auf Turnierreise bin und das kommt selten vor. Aber meine Freunde verstehen das, darüber bin ich sehr froh.

Max Krolik: Welche Ziele hast du für die anstehende Sommersaison, sowohl mit deiner Mannschaft, als auch für dich?

Sina Herrmann: Die Mannschaftsspiele sind für mich sehr wichtig, da es eine sehr gute Abwechslung zum harten Turniersport ist, die mir sehr viel Spaß bereitet. In dieser Saison werde ich an Pos.2 in der Regionalliga aufschlagen. Ich freue mich schon sehr auf die Herausforderung. Für den SSC Karlsruhe zu spielen, ist für mich eine große Ehre, da der Verein mich sehr unterstützt. Ebenso freue ich mich sehr auf die vielen großen DTB- und ITF Turniere, die ich mit meinem Trainer Christian und meiner Familie bereisen darf. Meine Ziele sind klar. Ich möchte meine Damenrangliste unter 50 halten und in der ITF Rangliste unter die besten 600 der Welt kommen, um 2020 nach dem Abi voll durchstarten zu können.

Max Krolik: Christian, du bist Sinas Trainerin und verbringst mit ihr sowohl auf dem Platz, als auch neben dem Platz (z.B. bei Turnierreisen) sehr viel Zeit. Seit 2019 gelten im internationalen Tennis neue Regularien. Die WTA und ATP-Tour wurde zusätzlich noch um eine Transition Tour ergänzt. Ich weiß, dass du dich mit der Materie sehr intensiv auseinandersetzt. Kannst du uns in deinen eigenen Worten kurz die wichtigsten Änderungen des neuen Systems erklären?

Christian Krismeyer: Die wichtigsten Änderungen sind natürlich die kleineren Qualifikationsfelder, die auf 24 limitiert wurden. 5 Plätze werden für Top 100 Juniorinnen der Weltrangliste im Hauptfeld bei 15 000-ern freigehalten. Es gibt nun keine WTA/ATP Punkte mehr zu gewinnen sondern ITF Entrypoints. Bei der nächsten Kategorie, den 25 000$ Turnieren werden neben den WTA Spielerinnen die besten 5 Spielerinnen nach der Entrypoint (ITF)Rangliste zugelassen. Bei den Herren wurden die Qualifikationsfelder bei Challengern sogar auf 4 reduziert und man darf nur noch Doppelspielen wenn man im Einzel im Hauptfeld ist. Das sind neben anderen kleineren Änderungen die massivsten Einschnitte in das Leben eines Profis.

Max Krolik: Welche Auswirkungen hat das neue System speziell für Sina und andere Nachwuchsspieler?

Christian Krismeyer: Dieses nicht gut durchdachte System hat immense negative Auswirkungen auf die gesamte Tennisszene, weil sehr viele Spielerinnen und Spieler gar nicht mehr spielen können, weil sie in die Turniere nicht mehr reinkommen. So wie es Sina im 2.Tunrier in der Türkei ergangen ist, als sie um 2 Plätze aus der Quali raus war. Bis 2018 hatte man die Möglichkeit sich mit Jugend ITF Turnieren, mit nationalen Turnieren und College Tennis auf die Profilaufbahn vorzubereiten, ab 2019 kann man sich nur noch über die Jugendweltrangliste für die unterste Profistufe qualifizieren. Dh Karriereverläufe, wie den von Serena Williams, Bob und Mike Bryan wird es nie mehr geben können, da es einen Einstieg direkt bei den Profis oder nach dem College nicht mehr geben kann. Wenn man bedenkt dass wöchentlich 5 Turniere gleichzeitig sind und 5 Plätze für Jugendliche geblockt sind, braucht man kein Mathegenie sein um zu erkennen, dass auch ein TOP 100 Juniorenranking nicht ausreichen wird um zu spielen. Der Cut wird meiner Meinung nach um die Ranglistenposition 50 sein. Auch für den nächsten Schritt in die 25 000er rein zukommen wird man ein ITF Ranking um die 30 brauchen um die nächste Stufe spielen zu können. Das ist Wahnsinn!

Viele Spieler um die ATP Position 400 können aktuell gar nicht spielen, da sie in die kleineren Challengerfelder nicht mehr reinkommen und es für diese keinen Sinn macht 15 000 er zu spielen, wo sie keine ATP Punkte mehr bekommen.

Auch Doppelspezialisten die es auf der Tour gibt können aktuell nur spielen, wenn sie im Einzel im Hauptfeld sind. Paarungen, die das letzte Jahr mehr als 10 Doppeltitel errungen haben werden nicht mehr zugelassen, obwohl sie laut Ranking an 1 Gesetzt wären.

Die Auswirkungen für Sina sind aktuell minimal, da sie durch die zusätzlichen 4 Punkte aus dem ersten Turnier in der Türkei nun ein Ranking um die 1000 Damen ITF hat und somit zukünftig in die Qualifikation bei 15 000er reinkommen sollte. Da muss sie dann über Leistung weitere Punkte sammeln.

Mir machen die Auswirkungen für die anderen badischen Athleten wie Justin Schlageter, Nastasja Schunk, Andre Steinbach, David Fix mehr Sorgen. Alle haben das Berufsziel „Tennisprofi“ und gehen diesen Weg sehr zielstrebig, aber wie gesagt um dahin zukommen müssen sie mit 17 Jahren top 40 stehen. Wenn der Einstieg nur noch über die Jugendweltrangliste geht, müssten wir die Kinder mit 15 Jahren von der Schule nehmen und voll auf die Junior ITF Tour gehen um international Konkurrenzfähig zu sein. Wer soll/ kann das bezahlen? Wo bleiben die Entwicklungsschritte der Jugendlichen? Das ist in meinen Augen nicht zu verantworten und mit unserem Schulsystem nicht zu vereinbaren.

Nicht umsonst ist der weltweite Aufruhr gegen diese neuen Regeln so laut wie noch nie seit Bestehen der Profiverbände. Der DTB, in Person von Dirk Hordorff führt täglich stundenlange Gespräche und Emails mit ITF und ATP Offiziellen und kämpft für die Spieler und Spielerinnen für faire Chancen ihrem Beruf oder Berufsziel nachzugehen. Wenn die Regeln nicht wieder geändert werden wird sich das sehr negativ auf die gesamte Tennisindustrie auswirken.

Erste kleinere Teilerfolge konnte man schon erzielen, denn ab dem 01. April werden die Qualifikationsfelder auf 32 erhöht, sodass mehr Spieler teilnehmen können. Das wird Sina helfen aber es müssen noch viele weitere Maßnahmen folgen um den Tennissport so zu erhalten wie wir ihn kennen und lieben. Die Verbesserungsvorschläge liegen der ITF vor, jetzt müssen sie es nur noch umsetzen.

Max Krolik: Das hört sich sehr gravierend an. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Angelegenheit weiterentwickelt und hoffen für den Tennissport nur das Beste. Ich bedanke mich bei euch beiden, dass ihr euch Zeit genommen habt und wünsche euch für die Zukunft alles Gute und dir Sina viel Erfolg!!!

Bild: Tobias Fröhlich

 
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Badischer Tennisverband