Die Anfänge des organisierten Tennissports in Baden

Von „mühsamen Verhandlungen“ und „zähen Diskussionen“ ist die Rede, wenn man in den Archiven vom Zusammenschluss der beiden badischen Tennisverbände liest. Das erfreuliche Ergebnis: Unser Badischer Tennisverband feiert am 10. Januar 2021 seinen 50. Geburtstag!

Der Tennissport in Baden ist jedoch schon deutlich älter und nimmt bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Anfänge. Der TC RW Baden-Baden zählt mit seinem Gründungsdatum am 25. Juni 1881 zu den ältesten Tennisvereinen in Deutschland. Noch vor der Jahrhundertwende folgten weitere Vereinsgründungen auf badischem Gebiet: Der HTC Heidelberg im Jahr 1890 während der Freiburger TC, mit einer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1895, sich an Position 3 einreiht. Pünktlich zur Jahrhundertwende ging es dann Schlag auf Schlag – und mit dem TK GW Mannheim, dem TC Lahr, dem TC 02 Weinheim, dem TC BG Rastatt und dem TC Überlingen folgten dann weitere namhafte und renommierte Clubs. Unterbrochen, aber nicht dauerhaft gestoppt, wurde diese Entwicklung durch die beiden Weltkriege, in denen der Tennissport angesichts des Überlebenskampfs vieler Millionen Menschen keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielte.

So richtig in Fahrt kam der organisierte Tennissport dann wenige Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs und hier nimmt auch die Geschichte des Badischen Tennisverbandes seine Anfänge. Der langjährige Pressewart des Verbandes Gert Kindler fasste hierzu folgendes zusammen: „Jeder der die damalige Zeit erlebte, weiß noch heute sehr gut, wie es 1945/1946 in punkto Tennis aussah. Welche Schwierigkeiten jeder hatte, Schläger, Bälle und Sportkleidung „zu organisieren“, um dann auf irgendeinem ehemaligen Tennisplatz mit Gleichgesinnten wieder so etwas wie Tennis zu spielen. Bald bildeten sich die ersten ehemaligen und auch neuen Tennisvereine. Man trug das eine oder andere Turnier mit befreundeten Clubs aus, brachte Bälle und etwas Essbares mit, fuhr stundenlang mit dem Fahrrad (…)“.

Das Ergebnis dieser Bemühungen und dieses Einsatzes: Die Gründung des Nordbadischen Tennisverbands am 17. Mai 1947. Die Vereine TC Pforzheim, der KETV Karlsruhe, der Ski-Club Karlsruhe, der TC Schwarz-Gelb Heidelberg, der HTC Heidelberg, die TSG Heidelberg, die TA MTG Mannheim sowie der TK GW Mannheim finden sich auf der Gründungsurkunde wieder. Rund 1130 Tennissportler in Nordbaden trugen ihre Wettkämpfe nunmehr unter dem Dach des Sportverbandes aus, zu dessem Ersten Vorsitzenden Fritz Kuhlmann, SG Heidelberg, gewählt wurde.

Sportlich wurde der junge Tennisverband schnell aktiv, bereits im Gründungsjahr fanden die ersten Nordbadischen Tennismeisterschaften auf den Anlagen des Heidelberger Tennisclubs und der TSG 78 statt. Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete Ende Juli über die Wettbewerbe. Als Erste in die Siegerlisten im Einzel und auch im gemischten Doppel eintragen durften sich Verbandspräsident Fritz Kuhlmann mit seinem Überraschungssieg gegen den Pforzheimer Walsch und die, von der Rhein-Neckar-Zeitung achtungsvoll bezeichnete Frau Beuther-Hammer, Heidelbergerin vom TC Schwarz-Gelb. Neben den Wettbewerben im Einzel und Doppel spielten auch die Juniorinnen und Junioren jeweils ihre Meister aus.

Von der verzögerten und langsameren Genehmigung von Vereinsgründungen in der französischen Besatzungszone ließen sich die Tennissportler im Süden Badens nicht von sportlichen Highlights abhalten und wurden sogar noch etwas früher aktiv als die nordbadischen Tennisfreunde. Vor allem dem TC Rot-Weiss Baden-Baden gelang es durch Zuzug auswärtiger Spieler die Spielstärke zu steigern und der Club wurde so zu einem Aushängeschild des Tennissports in der französischen Besatzungszone.

Auf organisatorischer Ebene konnten die Südbadener dann im Jahr 1948 mit der Gründung des Südbadischen Tennisverbandes nachziehen. Als erster Vorsitzender des neugegründeten Verbandes konnte der Baden-Badener H. Kretzer gewonnen werden.

Nahezu zwei Jahrzehnte lang führte Fritz Kuhlmann die Geschicke des Nordbadischen Tennisverbands, bis 1966 Dr. Hansjörg Grünewald das Ruder übernahm. Im Südbadischen Tennisverband übernahm Prof. Dr. Bühler bereits im Jahr 1951 die Verantwortung, ihm folgte 1959 der Freiburger Dr. Fredy Stober. Im Jahr 1961 übernahm mit Dr. Ottoheinz Ertl ein eiserner Verfechter der Fusion der beiden badischen Verbände das Ruder.

Mit Nachdruck forcierte und unterstützte er Gespräche und die Gründung von Arbeitsgemeinschaften, in denen der Zusammenschluss vorbereitet werden sollte. Arbeitsintensive Zusammentreffen, unerwartete Rückschläge und Enttäuschungen sowie unterschiedliche Erwartungen prägten die Gespräche der beiden badischen Tennisverbände. Die Vorstellungen und Wünsche der Südbadener, sich über eine langsame sportliche Annäherung im Sinne getrennt stattfindender Medenspiele und eines gesamtbadischen Endrundensiegers an die Vereinigung der beiden Verbände „anzunähern“, unterstützen die Nordbadener nicht, sondern forderten den sofortigen allgemeinen Zusammenschluss.

Den beiden Mitgliederversammlungen wurde dann folgender „Kompromissvorschlag“ vorgelegt:

„1. Bildung einer sportlichen Arbeitsgemeinschaft zum Zwecke eines späteren endgültigen Zusammenschlusses und der Gründung eines Gesamt-Badischen Tennis-Verbandes (…)“. Neben der gemeinsamen Austragung der kleinen Medenspiele und sonstiger Mannschaftsmeisterschaften übernahm die Sportarbeitsgemeinschaft auch die gemeinsam ausgetragenen Badischen Meisterschaften, die Ausbildung des Nachwuchses sowie die Förderung der Tennissportler für die Medenspiele, der Poensgenspiele und der Henner Henkelspiele.

Auch wenn die Fusion der beiden Verbände erst Jahre nach der protokollarischen Absichtsbekundung Wirklichkeit wurde, durften beide badischen Tennisverbände in ihrem Bestehen einen sprunghaften Aufschwung erleben. In den Jahren 1947/1948 verzeichneten beide Verbände gemeinsam gerade einmal 18 Mitgliedsvereine mit rund 3000 Mitgliedern; zehn Jahre später hatte sich die Zahl der Vereine bereits mehr als verdreifacht, die der Tennisspielerinnen und -spieler ebenfalls. Im Fusionsjahr 1971 blickte der Badische Tennisverband auf 178 Tennisvereine, rund 28.000 Tennissportlerinnen und -sportler, die sich auf 643 Plätzen gegenüberstehen konnten.

Auch an sportlichen Highlights mangelte es in den beiden Tennisverbänden nicht. Wilhelm Bungert gelang 1955 als erster (Nord-)Badener der Sieg bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften, Ilse Buding zog in den beiden Folgejahren bei den Juniorinnen nach. Bereits vier Jahre zuvor gelang den Nordbadenern mit dem Team rund um den Verbandsvorsitzenden Fritz Kuhlmann der Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft und im Jahr 1970 wurde das Badische Team Deutscher Mannschaftsmeister. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, klingen Namen wie Fritz Kuhlmann, Wilhelm Bungert, Werner Helmrich, Laci Legenstein, Hans-Jörg Elzer, Hans Engert, Alex Kurucz, Jürgen Fassbender, die Geschwister Buding (Edda, Ilse, Ingo und Lothar), Vera Berk, Karin Seltenreich (Botzke), Marilen Laspe oder Heide Orth aus dieser Zeit nach und sind ein bemerkenswertes Erbe, das der Badische Tennisverband bei seiner Gründung im Jahr 1971 antreten durfte.

 
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