Die 90er Jahre – ein Jahrzehnt im Wandel

Mit einem Paukenschlag begann das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Mit dem Mauerfall in Berlin und der Wiedervereinigung von „Ost“ und „West“ startete das Jahrzehnt direkt mit prägenden geopolitischen Veränderungen in die 90er Jahre. Die digitale Revolution führte zu einem Umbruch, der ganz neue Möglichkeiten schaffte und zu einem Wandel in nahezu allen Lebensbereichen führte. 

Auch aus (tennis-)sportlicher Sicht brachten die 90er Jahre Wandel mit sich. Das deutsche Wimbledon-Finale zwischen Boris Becker und Michael Stich im Jahr 1991, die gemeinsam errungene olympische Goldmedaille von Boris Becker im Folgejahr, aber auch der Rücktritt der beiden Superstars Graf und Becker am Ende des Jahrzehnts. Der DTB profitierte mit dem größten Tennisboom in der Geschichte von den internationalen Erfolgen und erlebte im Jahr 1994 den Höhepunkt mit 2,3 Millionen tennisbegeisterten Mitgliedern. 

Rund 171.000 davon leben und spielen Anfang 1990 in Baden. Steffi Graf, Anke Huber und Boris Becker sind den badischen Kinderschuhen entwachsen und Namen wie Mirela Vladulescu, Eva Belbl, Thomas Messmer oder Simon Schwarzkopf prägen den badischen Jugendsport zu Beginn der 90er Jahre. 

Mit einer groß angelegten Breitensportoffensive unterstützte der BTV die Tennisvereine bei der Mitgliedergewinnung und -bindung und brachte 1993 im Rahmen zahlreicher kommunaler Feste und Aktionstage den Tennissport an den Mann (und die Frau). Auch bei der Abnahme des Sportabzeichens war der Badische Tennisverband weit vorne mit dabei: 1991 gewann der BTV in einem Wettbewerb der Tennis-Landesverbände ein Auto als der Verband mit den meisten abgenommenen Sportabzeichen.  

Nach dem Bau im Jahr 1976, dem Ausbau rund 10 Jahre später, folgten in den 90er Jahren erneut bauliche Veränderungen. Die vorhandenen Bestrebungen, die dringend benötigten Kapazitäten im Landesleistungszentrum in Angriff zu nehmen, wurden Anfang der 90er in Angriff genommen und im Jahr 1991 konnte die Erweiterung der Tennishalle von drei auf fünf Hallenplätzen (mit unterschiedlichen Belägen), der Ausbau zwei weiterer Sandplätze sowie dem Bau des noch heute regen genutzten Hauses des Athleten gefeiert werden. Nur vier Jahre nach dem Ausbau der Platzkapazitäten erfolgte eine erneute Erweiterung: Mit einer Sport- und Gymnastikhalle sowie eines Konditionsraums wurde der bislang letzte große Erweiterungsschritt umgesetzt. 

„BTV goes online“ heißt es im Jahr 1995. Mit dem Bezirk Oberrhein-Breisgau ist der BTV erstmals auf digitalen Wegen unterwegs. Die anderen Bezirke und auch der Gesamtverband ziehen in den Folgejahren nach. 

Neben den überragenden internationalen Einzelerfolgen der Stars verzeichnete der Badische Tennisverband vor allem im Mannschaftssport Erfolge. 1991 siegte das badische U11-Team erstmalig beim DTB Talent Cup in Duisburg, von 1992 bis 1996 dominierte die U15-Auswahl die Cilly-Aussem-Spiele und gewinnt diese Dt. Mannschaftsmeisterschaft fünf Mal in Folge. Mitte der 90er Jahre schuf der Badische Tennisverband mit der Einführung der Hobbyrunden ein neues Angebot für jene Tennissportler, die das mannschaftliche Gefühl nicht missen, den notwendigen Ehrgeiz für eine Teilnahme an der Medenrunde jedoch nicht aufbringen wollten. 

Die Anfänge des organisierten Tennissports in Baden

Von „mühsamen Verhandlungen“ und „zähen Diskussionen“ ist die Rede, wenn man in den Archiven vom Zusammenschluss der beiden badischen Tennisverbände liest. Das erfreuliche Ergebnis: Unser Badischer Tennisverband feiert am 10. Januar 2021 seinen 50. Geburtstag!

Der Tennissport in Baden ist jedoch schon deutlich älter und nimmt bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine Anfänge. Der TC RW Baden-Baden zählt mit seinem Gründungsdatum am 25. Juni 1881 zu den ältesten Tennisvereinen in Deutschland. Noch vor der Jahrhundertwende folgten weitere Vereinsgründungen auf badischem Gebiet: Der HTC Heidelberg im Jahr 1890 während der Freiburger TC, mit einer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1895, sich an Position 3 einreiht. Pünktlich zur Jahrhundertwende ging es dann Schlag auf Schlag – und mit dem TK GW Mannheim, dem TC Lahr, dem TC 02 Weinheim, dem TC BG Rastatt und dem TC Überlingen folgten dann weitere namhafte und renommierte Clubs. Unterbrochen, aber nicht dauerhaft gestoppt, wurde diese Entwicklung durch die beiden Weltkriege, in denen der Tennissport angesichts des Überlebenskampfs vieler Millionen Menschen keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielte.

So richtig in Fahrt kam der organisierte Tennissport dann wenige Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs und hier nimmt auch die Geschichte des Badischen Tennisverbandes seine Anfänge. Der langjährige Pressewart des Verbandes Gert Kindler fasste hierzu folgendes zusammen: „Jeder der die damalige Zeit erlebte, weiß noch heute sehr gut, wie es 1945/1946 in punkto Tennis aussah. Welche Schwierigkeiten jeder hatte, Schläger, Bälle und Sportkleidung „zu organisieren“, um dann auf irgendeinem ehemaligen Tennisplatz mit Gleichgesinnten wieder so etwas wie Tennis zu spielen. Bald bildeten sich die ersten ehemaligen und auch neuen Tennisvereine. Man trug das eine oder andere Turnier mit befreundeten Clubs aus, brachte Bälle und etwas Essbares mit, fuhr stundenlang mit dem Fahrrad (…)“.

Das Ergebnis dieser Bemühungen und dieses Einsatzes: Die Gründung des Nordbadischen Tennisverbands am 17. Mai 1947. Die Vereine TC Pforzheim, der KETV Karlsruhe, der Ski-Club Karlsruhe, der TC Schwarz-Gelb Heidelberg, der HTC Heidelberg, die TSG Heidelberg, die TA MTG Mannheim sowie der TK GW Mannheim finden sich auf der Gründungsurkunde wieder. Rund 1130 Tennissportler in Nordbaden trugen ihre Wettkämpfe nunmehr unter dem Dach des Sportverbandes aus, zu dessem Ersten Vorsitzenden Fritz Kuhlmann, SG Heidelberg, gewählt wurde.

Sportlich wurde der junge Tennisverband schnell aktiv, bereits im Gründungsjahr fanden die ersten Nordbadischen Tennismeisterschaften auf den Anlagen des Heidelberger Tennisclubs und der TSG 78 statt. Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete Ende Juli über die Wettbewerbe. Als Erste in die Siegerlisten im Einzel und auch im gemischten Doppel eintragen durften sich Verbandspräsident Fritz Kuhlmann mit seinem Überraschungssieg gegen den Pforzheimer Walsch und die, von der Rhein-Neckar-Zeitung achtungsvoll bezeichnete Frau Beuther-Hammer, Heidelbergerin vom TC Schwarz-Gelb. Neben den Wettbewerben im Einzel und Doppel spielten auch die Juniorinnen und Junioren jeweils ihre Meister aus.

Von der verzögerten und langsameren Genehmigung von Vereinsgründungen in der französischen Besatzungszone ließen sich die Tennissportler im Süden Badens nicht von sportlichen Highlights abhalten und wurden sogar noch etwas früher aktiv als die nordbadischen Tennisfreunde. Vor allem dem TC Rot-Weiss Baden-Baden gelang es durch Zuzug auswärtiger Spieler die Spielstärke zu steigern und der Club wurde so zu einem Aushängeschild des Tennissports in der französischen Besatzungszone.

Auf organisatorischer Ebene konnten die Südbadener dann im Jahr 1948 mit der Gründung des Südbadischen Tennisverbandes nachziehen. Als erster Vorsitzender des neugegründeten Verbandes konnte der Baden-Badener H. Kretzer gewonnen werden.

Nahezu zwei Jahrzehnte lang führte Fritz Kuhlmann die Geschicke des Nordbadischen Tennisverbands, bis 1966 Dr. Hansjörg Grünewald das Ruder übernahm. Im Südbadischen Tennisverband übernahm Prof. Dr. Bühler bereits im Jahr 1951 die Verantwortung, ihm folgte 1959 der Freiburger Dr. Fredy Stober. Im Jahr 1961 übernahm mit Dr. Ottoheinz Ertl ein eiserner Verfechter der Fusion der beiden badischen Verbände das Ruder.

Mit Nachdruck forcierte und unterstützte er Gespräche und die Gründung von Arbeitsgemeinschaften, in denen der Zusammenschluss vorbereitet werden sollte. Arbeitsintensive Zusammentreffen, unerwartete Rückschläge und Enttäuschungen sowie unterschiedliche Erwartungen prägten die Gespräche der beiden badischen Tennisverbände. Die Vorstellungen und Wünsche der Südbadener, sich über eine langsame sportliche Annäherung im Sinne getrennt stattfindender Medenspiele und eines gesamtbadischen Endrundensiegers an die Vereinigung der beiden Verbände „anzunähern“, unterstützen die Nordbadener nicht, sondern forderten den sofortigen allgemeinen Zusammenschluss.

Den beiden Mitgliederversammlungen wurde dann folgender „Kompromissvorschlag“ vorgelegt:

„1. Bildung einer sportlichen Arbeitsgemeinschaft zum Zwecke eines späteren endgültigen Zusammenschlusses und der Gründung eines Gesamt-Badischen Tennis-Verbandes (…)“. Neben der gemeinsamen Austragung der kleinen Medenspiele und sonstiger Mannschaftsmeisterschaften übernahm die Sportarbeitsgemeinschaft auch die gemeinsam ausgetragenen Badischen Meisterschaften, die Ausbildung des Nachwuchses sowie die Förderung der Tennissportler für die Medenspiele, der Poensgenspiele und der Henner Henkelspiele.

Auch wenn die Fusion der beiden Verbände erst Jahre nach der protokollarischen Absichtsbekundung Wirklichkeit wurde, durften beide badischen Tennisverbände in ihrem Bestehen einen sprunghaften Aufschwung erleben. In den Jahren 1947/1948 verzeichneten beide Verbände gemeinsam gerade einmal 18 Mitgliedsvereine mit rund 3000 Mitgliedern; zehn Jahre später hatte sich die Zahl der Vereine bereits mehr als verdreifacht, die der Tennisspielerinnen und -spieler ebenfalls. Im Fusionsjahr 1971 blickte der Badische Tennisverband auf 178 Tennisvereine, rund 28.000 Tennissportlerinnen und -sportler, die sich auf 643 Plätzen gegenüberstehen konnten.

Auch an sportlichen Highlights mangelte es in den beiden Tennisverbänden nicht. Wilhelm Bungert gelang 1955 als erster (Nord-)Badener der Sieg bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften, Ilse Buding zog in den beiden Folgejahren bei den Juniorinnen nach. Bereits vier Jahre zuvor gelang den Nordbadenern mit dem Team rund um den Verbandsvorsitzenden Fritz Kuhlmann der Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft und im Jahr 1970 wurde das Badische Team Deutscher Mannschaftsmeister. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, klingen Namen wie Fritz Kuhlmann, Wilhelm Bungert, Werner Helmrich, Laci Legenstein, Hans-Jörg Elzer, Hans Engert, Alex Kurucz, Jürgen Fassbender, die Geschwister Buding (Edda, Ilse, Ingo und Lothar), Vera Berk, Karin Seltenreich (Botzke), Marilen Laspe oder Heide Orth aus dieser Zeit nach und sind ein bemerkenswertes Erbe, das der Badische Tennisverband bei seiner Gründung im Jahr 1971 antreten durfte.

Die 70er Jahre – Der Tennissport boomt

Während in der westlichen Geschichte die 70er Jahre als das Jahrzehnt der Krisen, Umbrüche und Veränderungen gilt, war das erste Jahrzehnt des Badischen Tennisverbandes geprägt von Neuerungen, Erfolgen und einer rasanten Entwicklung. Traumhafte Zuwächse bei den Mitgliederzahlen – innerhalb von knapp einem Jahrzehnt vervierfachten sich die Tennisspieler auf den badischen Plätzen – kombiniert mit notwendigen und entscheidenden Schritten im Hinblick auf eine strategische und strukturierte Professionalisierung der Verbandsstrukturen.

Bereits viele Jahre vor dem tatsächlichen Zusammenschluss näherten sich die beiden Verbände aus Nord- und Südbaden an, äußerten Vorstellungen und Ideen, diskutierten mögliche Strukturen und mussten sicherlich auch der einen oder anderen dem Zusammenschluss ambivalent entgegenstehenden Meinung entgegentreten. Am 10. Januar 1971 wurde die Fusion der beiden Verbände dann Wirklichkeit.

Für den neugegründeten Badischen Tennisverband ging die Entwicklung zu Beginn des Jahrzehnts in enormem Tempo weiter. Zahlreiche Vereinsgründungen ließen die Zahl der Mitgliedsvereine, aber auch die der aktiven Tennissportler in Baden rasant und stetig wachsen – 10% und mehr waren in diesem Jahrzehnt keine Seltenheit. Im Fusionsjahr 1971 blickte der Badische Tennisverband auf 178 Tennisvereine und rund 28.000 Tennissportlerinnen und -sportler, bereits zwei Jahre später hatten sich 254 Vereine mit rund 45.000 Spielerinnen und -spielern dem Tennisverband angeschlossen. Innerhalb der nächsten fünf Jahren verdoppelte sich die Zahl der badischen Tennisfreunde weiter und der Badische Tennisverband knackte die Marke von 100.000 Mitgliedern.

Dem rasanten Wachstum folgte zunehmend die Notwendigkeit, die Verbandsstrukturen auf professionellere und strukturiertere Füße zu stellen. Während seit Ende des Jahres 1970 bereits auf den badischen Sportschulen Übungsleiter für den Tennissport ausgebildet wurden, geschah dies im Bereich des Spielbetriebs im Jahr 1972 mit der Gründung der Tennis Bundesliga. Gleich zwei badische Clubs waren vertreten: TC SG Heidelberg und der TC Ladenburg.

Zwei Jahr später bündelt der Badische Tennisverband die zahllosen Informationen und Regularien in einem ersten gesamtbadischen „BTV-Jahrbuch“, als Vorbild diente hierzu das vom Nordbadischen Tennisverband bis Ende der 60er Jahre veröffentlichte Heft.

Mitte der 70er Jahre folgte dann der wohl aus heutiger Sicht wichtigste Entwicklungsschritt für den Badischen Tennisverband: Das Landesleistungszentrum im nordbadischen Leimen wurde geplant, gebaut und ist als Talentschmiede mit zahllosen renommierten Namen eng verbunden. Rasche Entscheidungen waren notwendig, denn die Aussage des Landessportverbandes, nur ein Leistungszentrum im Bundesland zu fördern, war sehr klar und die Planungen des Württembergischen Tennis Bundes für ein gemeinsames baden-württembergisches Trainingszentrum in Ruit waren bereits fortgeschritten. Nach langen und zähen Verhandlungen durften dann doch beide Verbände die Bauprojekte in Angriff nehmen und für den BTV stellte sich die Standortfrage. Leimen ging aus dieser erfolgreich hervor – neben den erfüllten Kriterien des Landessportverbandes war vor allem die Infrastruktur mit naheliegender Sporthalle, Schwimmbad, ausreichend Parkplätzen sowie die Geländezusage der Stadt ausschlaggebend. Relativ zügig konnte nun mit Planung und Realisierung begonnen und bereits sechs Monate später rollten die ersten Baumaschinen über das Gelände in der Jahnstraße. Ein halbes Jahr später, im Juni 1977, wurden die ersten Bälle auf den drei Hallenplätzen geschlagen – die vier Freiplätze und der Konditionsplatz folgten wenige Monate später.

Die Voraussetzungen für eine gesicherte Nachwuchsförderung waren mit dem Bau der Talentschmiede in Leimen geschaffen und so war es nur folgerichtig, dass nahezu zeitgleich auch die Förderstruktur auf solide Beine gestellt wurde. Dem ersten badischen D-Kader (1978) folgte der Aufbau von Stützpunkten in Karlsruhe, Freiburg und Radolfzell sowie im Jahr 1979 die Einführung von Fördergruppen. Auch wenn der Name Leimen damals kaum jemandem außerhalb des Rhein-Neckar-Kreises bekannt war und die ersten Erfolge des damaligen Verbandstrainers Boris Breskvar nur die Fachleute aufhorchen ließen, sind unter den Namen der ersten Kaderaufstellung durchaus Athleten vertreten, die auch heute noch den eisernen Tennisfans ein Begriff sind: Andrea Betzner, Steffi Graf, Kerstin Haas (heute: Garcia), Susanne Schaffner, Myriam Schropp (heute: Kende), Boris Becker, Rüdiger Haas, Gerald und Rainer Marzenell oder Udo Riglewski – um nur einige davon aufzugreifen.

Zahlreiche nationale und internationale Titel fanden in den 70ern den Weg nach Leimen. Während die ganz großen Team-Erfolge zunächst noch auf sich warten ließen, trumpften die badischen Athleten groß auf. Jürgen Faßbender und Heide Orth sicherten sich im Jahr 1971 die Dt. Meistertitel im Einzel bei den Damen und Herren, im Jahr darauf wird der Mannheimer Werner Helmrich Doppel-Europameister der Senioren. Und 1977 feierte Hans-Jürgen Faßbender den Vizeweltmeistertitel im Herren-Doppel und Ende des Jahrzehnts waren zahlreiche Jugendliche in den Rang- und Kaderlisten des DTB zu finden.

Die 80er-Jahre - ein kultiges Jahrzehnt

Beginnender Widerstand gegen die Atomkraft bis hin zum Mauerfall Ende des Jahrzehnts, neonpinke Sportklamotten bis hin zu schrägen Frisuren – die 80er Jahre sind unvergessen. 

Und auch aus (tennis-)sportlicher Sicht waren die 80er Jahre eine verrückte Zeit: Da versetzt ein 17-jähriger im Jahr 1985 mit einem Überraschungssieg in Wimbledon das ganze Land in einen Freudentaumel, da gelingt es Steffi Graf im Jahr 1988 als erste und bisher einzige Deutsche den Grand Slam sowie Olympiagold zu gewinnen und endet mit dem Jahr 1989, bei dem die beiden Cracks Steffi Graf und Boris Becker in Wimbledon das „badische Double“ einfahren. 

Aber auch im „kleinen“ Badischen hat sich viel bewegt. Dem rasanten Wachstum der 70er Jahre geschuldet, hat der Badische Tennisverband bereits Mitte/Ende des vergangenen Jahrzehnts entscheidende Weichen gestellt, die das Verbandsgeschehen über viele Jahre hinaus prägen sollten.  

Auch wenn die Zuwachsraten der 70er Jahre zunächst nicht mehr erreicht wurden, nahm die Begeisterung für den Tennissport Mitte der 80er Jahre – und vor allem mit zunehmendem Erfolg der Aushängeschilder Graf und Becker – wieder Fahrt auf und so bilanzierte der Badische Tennisverband Ende des Jahrzehnts rund 170.000 Mitglieder in den badischen Tennisclubs. Auch die Zahl der Tennisplätze wächst kontinuierlich an: Tennishallen schießen allerorten aus dem Boden und die Zahl der Freiplätze wächst in den zehn Jahren von rund 2.350 auf knapp 3.000 an. 

Das Landesleistungszentrum, das 1977 errichtet und eingeweiht wurde, wurde die sportliche Heimat, die man sich erhofft hatte. Das strukturierte und professionelle Arbeiten mit den jungen Nachwuchsspieler*innen brachte die gewünschten Erfolge und in den Deutschen Ranglisten tummelten sich die badischen Tennsicracks. Für den Badischen Tennisverband galt es daher, das erfolgreiche Wirken fortzusetzen und den Ruf als Talentschmiede des deutschen Tennissports weiter auszubauen. Und so war es beinahe schon ein zwangsläufiger Schritt, das Landesleistungszentrum in Leimen im Jahr 1987 zu erweitern. Der Bau einer Reihe notwendiger Funktionsräume, Räume für Physiotherapie, ein Konditionsraum und eine Vergrößerung der Geschäftsräume wurde in Angriff genommen – auch um als Bundesstützpunkt durch den DTB und das Bundes-Innenministeriums Anerkennung zu finden. Ein geglücktes Vorhaben: Denn am 27. März 1987 wurde das Landesleistungszentrum als Bundesstützpunkt anerkannt und zeitgleich im Rahmen der Bildung von Olympiastützpunkten in den OSP Rhein-Neckar miteinbezogen. 

Zahlreiche Neuerungen unterschiedlichster Art wurden in den 80er Jahren eingeführt, die auch heutzutage noch Bestand haben: 

1982 erschien die Erstausgabe des Verbandsmagazins baden tennis und auch heute noch versorgt der Badische Tennisverband seine Mitglieder mit dem 10-mal pro Jahr erscheinenden Magazin. Das 1986 entwickelten Verbandslogo ist ebenfalls heute noch das äußere Erkennungsmerkmal des Verbandes.  

Und mit dem Baden Junior Cup, der im Jahr 1988 erstmalig organisiert und ausgetragen wurde, verfügt der Badische Tennisverband über eines der hochklassigsten nationalen Jugendturniere der Altersklassen U12 und U14, das bis heute regelmäßig im Februar die Top 10 der Jugendranglisten nach Leimen lockt. 

Während in den 70er Jahren vor allem Einzelerfolge für badische Athleten verzeichnet wurden, standen die 80er Jahre ganz im Zeichen der Teamerfolge. Im Jahr 1980 gewann der Badische Tennisverband erstmalig mit den Cilly-Aussem-Spielen die Deutsche U15-Mannschaftsmeisterschaft und verteidigte diesen Titel in den beiden Folgejahren. Die Damen-Auswahl des Verbandes schaffte zu Beginn des Jahrzehnts zweimal den Sprung auf Rang 2, bevor es dann 1984 und 1985 ganz nach oben auf das Siegertreppchen reichte. Auch die Herren mussten sich mehrere Male mit dem Vizemeistertitel begnügen, bevor 1986 der Meistertitel eingetütet werden konnte.  

Boris Becker und Steffi Graf gelang in den 80er Jahren der Sprung ganz nach oben in der Weltrangliste. Beckers erster Wimbledon-Sieg im Jahr 1985, Steffi Grafs „Golden Slam“ im Jahr 1988, bei dem sie die Siege bei den vier großen Grand Slam-Turnieren mit Olympiagold krönte, oder aber dem Badischen Double 1989 in Wimbledon, als die beiden badischen Weltstars die Siege im Einzel holten, sind noch heute große Momente der Tennisgeschichte. 

Diese beiden einmaligen Karrieren dürfen jedoch auch nicht die Erfolge der anderen badischen Leistungsträger in Vergessenheit geraten lassen: Andrea Betzner, Myriam Schropp (heute: Kende), Martina Reinhard, Mirela Vladulescu, Silke Frankl, Mahela Gartner und Anke Huber bei den Juniorinnen bzw. Damen sowie Udo Riglewski, Martin Sinner, Patrick Baur, Gerald Marzenell oder Michael Kupferschmid bei den Junioren bzw. Herren – um nur einige davon zu nennen. 

 
  • DunlopDunlop
    TennisPointTennisPoint
    VR-TalentiadeVR-Talentiade

Badischer Tennisverband