Die Gründungsjahre
Manchmal, und oftmals auch unüberlegt schnell, vergibt man das Prädikat Tradition. Und dies obwohl es keine Regeln gibt, ab welchem Zeitraum und Punkt etwas Vorhandenes zur Tradition wird. Mit Sicherheit wird kein Streit entstehen, wenn wir badischen Tennisfreunde behaupten, der badische Tennissport hat Tradition und Geschichte, ohne in den ewig währenden Streit einzugreifen, wer ist denn nun der älteste Tennisverein in Deutschland und in Baden. Tatsache ist, dass der TC Rot-Weiß Baden-Baden urkundlich am 25. Juni 1881 aus der Taufe gehoben wurde. Am 2. August 1890 folgte der Heidelberger TC. Ob nun das Tennisspielen immer am selben Standort zählt oder das lückenlos eingetragene Vereinsregister, überlassen wir freiwillig Historikern, Juristen und Stadtarchivaren zur Klärung.
Von den aktuell 742 badischen Tennisvereinen blicken 11 auf 100 und mehr Jahre Vereins- und Tennisgeschichte zurück. Nach RW Baden-Baden und dem Heidelberger TC folgen der Freiburger TC (1895), der TK Grün-Weiß Mannheim und der TC Lahr (1900) sowie im Jahr 1902 der TC 02 Weinheim, BG Rastatt und der TC Überlingen, denen RW Wiesloch (1904) sowie der TC Oberkirch und BW Villingen (1906) folgen.
Die badische Tennis-Verbands-Geschichte als eingetragener Verein begann am 17. Mai 1947. In Heidelberg gründeten neun Tennisvereine aus vier Städten (Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim, Pforzheim) den Nordbadischen Tennisverband (NBTV). Alle damaligen Tennisvereine waren aus unterschiedlichen Gründen – meist war die Platzanlage nach den Kriegswirren noch nicht wieder hergestellt – kein Gründungsmitglied, sondern traten in den Folgemonaten und Jahren dem NBTV bei.
Nachdem in der französischen Besatzungszone Vereinsgründungen mit Verzögerung gestattet wurden, kam es 1948 als „Landesfachausschuss Tennis“ zur Gründung nach heutiger Redewendung zum Badischen Tennisverband Süd. Der südbadische Bruderverband war in den Gründer- und Folgejahren der von der Vereinszahl größere Tennisverband und derjenige mit mehr Vereinen, die auf jahrzehntelange Geschichte, selbst in damals kleineren Städten wie Bad Säckingen, Kehl und Überlingen, zurückblicken können.
Es müssen mühsame, zähe und arbeitsintensive Verhandlungen voraus gegangen sein, bis es am 01.01.1971 zur Verschmelzung der beiden badischen Tennisverbände kam, die eine jahrelang bestehende Arbeitsgemeinschaft der badischen Tennisverbände auf den Weg brachten. Nur wenige Jahre später, als Deutschland vom Tennisboom überzogen wurde, wäre die Fusion wohl gescheitert. Ein jeder der beiden Verbände wäre automatisch „groß“ und „mächtig“ geworden. Der gesamtbadische Tennisverband mit 178 Vereinen und unterteilt in vier Bezirke war gegründet, die Erfolgsgeschichte begann. Heute, 2008, sind es 742 Vereine mit 126.296 Mitgliedern, denen 3.585 Frei- und 272 Hallenplätze zur Verfügung stehen.
Das Landesleistungszentrum entsteht
Der in den 70er Jahren einsetzende erste Boom zum Tennissport brachte aus leistungssportlicher Sicht große, aber im Prinzip schöne Probleme mit sich. Eine schlüssige Förderstruktur, die viele Sportverbände bereits vorweisen konnten, gab es für den Tennissport gerade einmal ansatzweise. Hinzu gesellte sich, dass durch die Gründungsflut neuer Vereine der Verwaltungsaufwand stetig zunahm und im Ehrenamt allein nicht mehr ordnungsgemäß zu verwalten war.
Es war der damalige Vizepräsident und Sportwart und spätere Präsident Wolf-Dieter Späth, der erste Pläne für ein Landesleistungszentrum mit einer integrierten Geschäftsstelle dem Präsidium unter der Führung von Dr. Werner Kilthau vorstellte. Das erste Problem, das jedoch zu lösen war, war die Standortfrage. Konkret boten sich zwei Möglichkeiten: Zum einen die Stadt Leimen, die im Begriff war, mehrere Landessportfachverbände in Leimen anzusiedeln, sowie die Stadt Offenburg. Für Offenburg sprach die Geografie als badische Mitte, das wirtschaftliche Angebot der Stadt Leimen war allerdings so ausgezeichnet, die Bemühungen intensiv, das Gelände schon bereit gestellt, so dass die Entscheidung relativ schnell für Leimen ausfiel. Spätestens hier stellt sich die Frage: Wären an einem anderen Standort des Landesleistungszentrums Steffi Graf, Anke Huber und Boris Becker zu den herausragenden Tennissportlern geworden, nachdem das Landesleistungszentrum wenige Schritte bzw. Kilometer von deren zu Hause entfernt war. Es war aber auch ein seltener Glücksfall, dass man mit Boris Breskvar einen Verbandstrainer verpflichtet, der für den Tennissport in Baden, im DTB und sieht man die Weltkarrieren der drei badischen Ausnahmesportler, auch international Großartiges leistete.
Das Landesleistungszentrum Leimen wurde im Juli 1977 mit einer Dreifeldhalle, entsprechenden Funktionsräumen und der Geschäftsstelle eröffnet. Ein Jahr später kamen vier Freiplätze und ein Kunststoff-Tennisplatz hinzu. Erster hauptamtlicher Geschäftsführer und entscheidenden Anteil am Aufbau und Organisation des Geschäftsbetriebs wurde der damalige Vorsitzende des Bezirks Rhein/Neckar-Odenwald Klaus R. Heinemeyer.
In den Folgejahren wurden weitere Bauabschnitte realisiert. Die Tennishallenkapazität wurde auf fünf Plätze erweitert, eine Kleinsporthalle mit integriertem Fitnessraum, drei weitere Freiplätze, ein Hartplatz und eine über ein Kilometer lange Finnenbahn vervollständigten die zwischenzeitlich international anerkannte Tennis-Trainingsstätte. Parallel zum sportlichen Ausbau wurde die Geschäftsstelle ebenso erweitert und das Haus der Athleten, in dem primär Kaderangehörige bei Lehrgängen und Turniervorbereitungen übernachten können, führten zum Endausbau des LLZ Leimen.
Die Erfolge und die ausgezeichnete Sportinfrastruktur führten zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Olympiastützpunkt Rhein-Neckar und zur Anerkennung als Bundesleistungszentrum für Nachwuchs durch den Deutschen Tennis Bund.
Den heutigen sportlichen Bereich führen drei hauptamtliche Verbandstrainer, zwei für Tennis, einer für Kondition und Fitness, sowie eine Physiotherapeutin. Hinzu kommen je nach Bedarf Honorartrainer, sowie leistungsstarke Spieler als Sparringspartner für den badischen Nachwuchs. Ebenso dient das LLZ Leimen als Ausbildungsstätte für B- und C-Trainer sowie dem Tennisassistenten für Vereinssport.
Die Erfolge der Vereine
Großen Anteil an der Reputation des Badischen Tennisverbandes innerhalb des Deutschen Tennis Bundes haben die sportlichen Erfolge im Mannschaftsspielbetrieb der Vereine. Herausragend das Jahr 2007. Mit dem TC Karlsruhe-Rüppurr bei den Damen und dem TK Grün-Weiß Mannheim bei den Herren kamen die Deutschen Vereins-Mannschaftsmeister aus Baden. Für den TC Karlsruhe-Rüppurr war es die zweite Meisterschaft in Folge und für den TK Grün-Weiß Mannheim nach 1922, 1993, 1996, 2005 sowie 2007 der fünfte Titel. Einsamer Rekordhalter, wenn es um deutsche Vereins-Mannschaftstitel geht, ist der Heidelberger TC. Insgesamt zehn Mal eroberten sich Spielerinnen und Verantwortlichen des 1890 gegründeten Vereins die Krone im deutschen Damen-Mannschaftstennis und dies in einem kurzen Zeitraum von 1983 – 1997. Weitere und viele deutsche Mannschaftsmeisterschaften kamen für badische Vereine im Senioren-Spielklassenbereich hinzu.
Die Sportler
Hinter den Erfolgen der Vereine und primär den großen Turnieren stehen Spielerinnen und Spieler. Über allen ragen die Weltsportler Steffi Graf und Boris Becker, denen sich Anke Huber nahtlos anschloss. Aber auch neben diesen „badischen Giganten“ kommen angeführt von dem Wimbledon-Finalist Wilhelm Bungert und Davis-Cup-Rekordspieler Jürgen Faßbender sowie bei den Damen Edda Buding und Heide Orth unzählige Spitzenspieler aus dem deutschen Südwesten.
Die intensive Trainingsarbeit und Infrastruktur des LLZ Leimen brachte dem BTV außergewöhnliche Erfolge beim Gewinn von Deutschen Jugendmeisterschaften. Über fünfzig badische Jugendliche erspielten sich seit 1977 den Sieg in einer Einzelkonkurrenz einer Deutschen Meisterschaft. Im Verhältnis zur Mitgliedergröße, siebtgrößter von 18, eine Spitzenposition innerhalb der Landesverbände im DTB.
Die Funktionäre
Sparsam mit der Anzahl seiner Präsidenten gingen vor der Fusion 1971 sowohl der Nord- als auch Südbadische Tennisverband und später der Gesamtbadische um. Beim Südbadischen Tennisverband wechselten die Präsidenten zwischen den Traditionsvereinen Freiburger TC und Rot-Weiß Baden-Baden, die nicht nur sportlich eine gesunde Rivalität pflegten.
Eine herausragende Persönlichkeit war Fritz Kuhlmann. 19 Jahre leitete er den nordbadischen Tennisverband, um nach vierjähriger Pause nochmals für vier Jahre dem neugegründeten Gesamtbadischen Tennisverband vorzustehen.
Zum dienstältesten Präsidenten des Gesamtbadischen Tennisverbandes wurde Wolf-Dieter Späth, der in seiner 18-jährigen Amtszeit und in den Jahren zuvor als Sportwart durch den Bau des LLZ Leimen und den Aufbau der Geschäftsstelle den BTV in ein neues Zeitalter führte.
Es waren aber nicht nur die Präsidenten, die den BTV zu seiner heutigen Größe und Bedeutung führten. Pionier Ludwig Nagel führte die Geschäftsstelle ehrenamtlich, öffnete die Tür zur Landessportpolitik und führte richtungsweisende Strukturen in der Traineraus- und -weiterbildung ein.
Aber auch in den vier Bezirken des BTV stellten sich viele Persönlichkeiten oftmals Jahrzehnte in den Dienst des Tennissports. Ob Hansjürgen Neumann, 6 Jahre Sportwart und 18 Jahre Vorsitzender im Bezirk Rhein/Neckar-Odenwald, Dr. Helmut Vollmar von 1976 bis 2005 Vorsitzender im Bezirk Oberrhein-Breisgau oder Rudolf Müller, der von 1977 bis 2005 als Beauftragter beim Badischen Sportbund Süd dem BTV-Präsidium angehörte. Sie alle leisteten stellvertretend für alle Ehrenamtliche außergewöhnliche Arbeit für den badischen Tennissport.
Aus der Zeit der Fusion von 1971 ist kein Funktionsträger noch in Gremien des BTV tätig. Mit Manfred Lempart, Vorsitzender im Bezirk Mittelbaden, Gert Kindler, Präsidiumsmitglied für Medien und dem amtierenden Präsidenten Peter Nirmaier sind aktuell drei Funktionsträger noch tätig, die Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erste Ämter in Gremien des BTV besetzten.
Gründungsdaten
Nordbadischer Tennisverband (NBTV) 17. Mai 1947
Badischer Tennisverband Süd 1948/49
Badischer Tennisverband e.V. 01. Januar 1971
Präsidenten
Nordbadischer Tennisverband
1947 - 1966 Fritz Kuhlmann, Ludwigshafen
1966 - 1971 Dr. Hansjörg Grünewald, Weinheim
Badischer Tennisverband Süd
1948/49 - 1951 H. Kretzer, Baden-Baden
1951 - 1959 Prof. Dr. Brühler, Freiburg
1959 - 1961 Dr. Fredy Stober, Freiburg
1961 - 1971 Dr. O.H. Ertl, Baden-Baden
Badischer Tennisverband e.V.
1971 - 1975 Fritz Kuhlmann, Ludwigshafen
1975 - 1987 Dr. Werner Kilthau, Mannheim
1987 - 2005 Wolf-Dieter Späth, Leimen
2005 - 2010 Peter Nirmaier, Buchen
2010 - Bernd Greiner, Waldbronn (kommissarisch)